Vorzieheffekt: Erkenntnisse nach der Teilnahme an der CGDS Berlin Von Murray Gates, CEO, Westgate Global
Eine der Erkenntnisse, die mir nach der Teilnahme an der Konferenz CGDS (Constructing Next-Gen Data Centers) Europe in Berlin immer wieder durch den Kopf ging, war: Das Problem des Rechenzentrumssektors ist nicht zu wenig Innovation, sondern zu wenig Zeit.
Die von Innovatrix ausgerichtete Veranstaltung brachte Menschen zusammen, die unter realem Zeit- und Leistungsdruck direkt an der Umsetzung von Projekten beteiligt sind, die mission-critical sind. Im Rahmen der zweitägigen Veranstaltung wurden immer wieder dieselben Themen angesprochen: Steigende Nachfrage, enge Projektzeitpläne, wachsende Erwartungen in puncto Ausfallsicherheit, Leistung und Datenhoheit. Doch die Art und Weise, wie Projekte konzipiert und umgesetzt werden, lässt oft nicht genügend Raum dafür, rechtzeitig neue Ideen einzubringen.
Und genau hier kommt es zu Spannungen.
Innovationen entwickeln sich schnell. Im Baugewerbe herrscht jedoch nicht immer dieselbe Freiheit. Eine Idee, die heute diskutiert wird, zeigt sich vielleicht erst in zwei oder drei Jahren in einer fertiggestellten Einrichtung. Bis dahin könnte die nächste Herausforderung bereits vor uns liegen.
Es wurde auch ein guter Punkt bezüglich der gewonnenen Erkenntnisse vorgebracht. Wir sprechen viel darüber, die gewonnenen Erkenntnisse zu erfassen und nachzuverfolgen. Bei sich schnell entwickelnden Bauvorhaben ist das nächste Projekt jedoch oft bereits konzipiert, bevor diese Erkenntnisse richtig berücksichtigt werden können. Die Branche lernt ständig dazu. Sie kann jedoch diese Erkenntnisse nicht immer schnell genug umsetzen, damit sie in das nächste Projekt einbezogen werden können.
Das ist wichtig, besonders im Hinblick auf Rechenzentren, wo sich das kommerzielle Bild in wenigen Tagen verändern kann.

Mein Kollege David Marchant, Business Development Manager für Europa, war ebenfalls in Berlin. Rückblickend auf die Veranstaltung sagte David:
„CGDS Europe gab ein klares Bild davon, wie schnell sich der Rechenzentrumsmarkt entwickelt. Die vielen verschiedenen Perspektiven waren wertvoll, von Chip-Technologien der nächsten Generation und KI-gesteuerten Infrastrukturanforderungen bis hin zu nachhaltigen, konkreten Lösungen, Liefermodellen und den realen Umständen, denen sich Betreiber beim Ausbau ihrer Kapazitäten stellen müssen. Was mir auffiel, war, dass Marktreife, Belastbarkeit und Nachhaltigkeit keine einzelnen Gesprächsthemen mehr sind. Sie sind alle miteinander verbunden, und sie alle hängen von einer stärkeren Zusammenarbeit in der Lieferkette ab.“
Witterungseinflüsse werden immer noch nicht richtig gemessen
Der Schwerpunkt meiner Präsentation lag auf etwas sehr Praktischem: den Kosten von Witterungseinflüssen.
Den meisten Projektteams ist bewusst, dass Witterungseinflüsse Störungen verursachen. Regen, Wind und schlechte Witterungsbedingungen beeinträchtigen Produktivität, Abläufe, Zugang, Qualität und Sicherheit. Jeder vor Ort weiß das, aber zu wissen, dass sie ein Risiko darstellen, ist nicht dasselbe wie sie zu messen.
Bei vielen Projekten, die mission-critical sind, werden Witterungseinflüsse erst dann berücksichtigt, wenn sie tatsächlich eintreten. Eine Verzögerung hier, ein verpasster Ablauf dort, ein aufgeschobenes Gewerk, ein noch nicht abgeschlossener Abschnitt. Erneut verschobene Innenarbeiten.
Einzeln betrachtet mögen diese Dinge überschaubar erscheinen. Über das gesamte Projekt hinweg stellen sie jedoch einen erheblichen Kostenfaktor dar. Wenn die wahren Kosten gemessen werden, sind sie oft höher als die Kosten ihrer Minderung.
Das ist die Grundlage dessen, was ich in Berlin besprochen habe. Bei technischen Wetterschutzsystemen handelt es sich nicht nur um einen Schutz und einen zusätzlichen Kostenfaktor. Wenn sie richtig und frühzeitig eingeplant werden, sind sie ein wirksames Projekt-Tool.
Der richtige Wetterschutz stellt sicher, dass das Betonieren wetterunabhängig und nach Zeitplan erfolgt, Gewerke parallel laufen und Innenarbeiten früher beginnen können. Er gibt Projektteams mehr Kontrolle über die Baustellenbedingungen, anstatt ständig darauf reagieren zu müssen.
Diese Verlagerung ist wichtig, denn in diesem Sektor ist Zeit gleichbedeutend mit Ertrag, Druck, Risiko und Reputation.

Versicherungspolice oder besserer Projektablauf?
Eine der besten Fragen nach der Präsentation war, ob der technische Wetterschutz eine Versicherungspolice für den Bauunternehmer oder einen besseren Projektablauf für den Endabnehmer darstellt.
Ehrlich gesagt, beides.
Was den Bauunternehmer angeht, so schützt er den Fortschritt und gibt dem Team eine hervorragende Möglichkeit, die Arbeiten am Laufen zu halten, selbst wenn das Wetter umschlägt. Er reduziert Störungen und erleichtert die Steuerung der Abläufe.
Was den Anlagenbesitzer angeht, so ist der Wert möglicherweise weitaus größer, da es nicht nur darum geht, Verzögerungen zu vermeiden, sondern vorzeitig Einnahmen zu erzielen. Wenn mit den Innenarbeiten begonnen werden kann, bevor die vollständige Fassade abgeschlossen ist – eine kritische Phase –, kann der Übergabetermin früher stattfinden. Und mit einem frühzeitig betriebsbereiten Rechenzentrum werden mit der Anlage früher Einnahmen erzielt.
Einige Innovationen brauchen einen sichereren Rahmen, um sich zu beweisen
Ein weiteres Thema, das mir in Erinnerung geblieben ist, war das Risiko, das mit Innovation verbunden ist.
Der Begriff Innovation hat in der Regel eine positive Konnotation, aber auf einem aktiven, zeitkritischen Campus kann sich der Begriff unangenehm anhören. Er fordert die Menschen auf, sich von dem zu lösen, was sie bereits wissen, und wirft Fragen auf, die möglicherweise wiederum Nervosität auslösen. Wenn der Zeitplan bereits eng ist, setzt sich oft die sichere Option durch.
Das ist verständlich. Niemand möchte unnötige Risiken bei einem Projekt eingehen, das mission-critical ist. Sicherheit und Zuverlässigkeit sind wichtig, aber es gibt auch einen Preis dafür, immer die vertraute Option zu wählen. Manche Ideen sparen weitaus mehr Zeit ein, als ihre Überprüfung kostet, und die Herausforderung besteht darin, sie miteinzubeziehen.
Das kann bedeuten, neue Ansätze bei nicht produktiven Projekten zu testen. Das kann bedeuten, Pilotbereiche zu nutzen. Das könnte auch bedeuten, dass Betreiber früher einbezogen werden, bevor die Entwürfe zu weit fortgeschritten sind. Nicht jede nützliche Idee muss zum ersten Mal unter maximalem Druck bewiesen werden.
Die Planung bezüglich Witterungseinflüsse ist ein gutes Beispiel. Hierbei handelt es sich nicht um ein radikales Konzept, aber sie müssen frühzeitig berücksichtigt werden. Wenn sie spät eingebracht werden, werden sie zu einer reaktiven Maßnahme. Wenn sie von Anfang an eingeplant werden, können sie die Abläufe, den Zugang, die Gewerkeüberschneidung und die Übergabe beeinflussen. Sie können die Form des Projekts verändern.
Der Druck lässt nicht nach
Die allgemeinen Debatten in Berlin machten deutlich, dass der Druck auf die Rechenzentrumslieferung nicht nachlässt.
Datensouveränität ist ein wichtiges Thema in Europa und fügt dem bereits starken Nachfragebild eine weitere Ebene hinzu. Es wird mehr Kapazität benötigt und es wird erwartet, dass diese schnell, sicher und verantwortungsvoll geliefert wird.
Gleichzeitig ändern sich die technischen Anforderungen. Wir haben intensive Debatten über Bereiche wie Flüssigkeitskühlung gehört, da die Branche auf Umgebungen mit höherer Dichte und neue Leistungsanforderungen reagiert.
Dies sind wichtige Veränderungen, aber ob wir über Kühlung, Ausfallsicherheit, Projektablauf oder Standortbedingungen sprechen: die Frage bleibt dieselbe.
Wie bringen wir bessere Ideen in Projekte ein, ohne mehr Risiken einzugehen, als wir beseitigen?
Daran müssen wir arbeiten.
Protecting Momentum
Bei Westgate Global sprechen wir viel über Protecting Momentum. Auf der CGDS Berlin wurde mir erneut bewusst, warum das wichtig ist.
Momentum bedeutet nicht nur, dass die Leute vor Ort beschäftigt bleiben. Es geht darum, sicherzustellen, dass die richtige Arbeit zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt werden kann. Es geht darum, Reibungen zu beseitigen, bevor sie Verzögerungen verursachen.
Meine Erkenntnis nach der Teilnahme an der CGDS Berlin: Die Branche ist bereit für eine praxisorientiertere Debatte über Innovation, die nützliche Änderungen fördert und Teams dabei hilft, schneller, sicherer und mit mehr Kontrolle zu liefern.
Wenn wir die tatsächlichen Kosten aufgrund von Verzögerungen messen, die uns bekannten Risiken früher einplanen und gute Ideen sicherer in Projekte einbeziehen, können wir mehr tun, als nur Projekte schützen: Wir können einen Vorzieheffekt erzielen.